10. Von einem zum Nächsten – Ärzterunde

Ich merke, dass ich langsam ungeduldig werde, zum Ende der Geschichte beziehungsweise zum jetzigen Stand kommen will. Von dem her werde ich heute einiges zusammen fassen.

Die nächsten Monate verbrachte ich nämlich damit auf unterschiedliche Termine bei unterschiedlichen Ärzten zu warten. Nach dem ersten Kontrollbesuch im Juni, hatte ich zwei Wochen später einen Termin bei einer Kollegin meiner Ärztin. Schließlich stellten sie meinen Fall in der Beckenbodensupervision vor, einer fachübergreifenden Austauschrunde. Der Starproktologe der Runde, wohl deutschlandweit bekannt, wollte mich auch noch kennen lernen, doch trotz dieser Einladung seinerseits musste ich einen Monat auf einen Termin warten. Dieser war Anfang August. Ich muss festhalten, dass alle nach wie vor sehr behutsam und bemüht waren. Meine traumatischen Erlebnisse wiederholten sich nicht und ich lernte auch immer besser zu kommunizieren, dass ich schlimme Erfahrungen gemacht hatte und jeden Einzelnen darum zu bitten sehr vorsichtig zu sein. Der Proktologe meinte schließlich, seiner Meinung nach seien wir diagnostisch nun am Ende, er empfehle eine OP zu planen. Diese würde er als Dammrekonstruktion planen, denn dabei waren sich alle mittlerweile einig, dieser fehlte quasi. Doch zur Sicherheit solle während der Narkose noch genauer nach einer Fistel gesucht werden, nur um diese Option gänzlich auszuschließen. Nun kam meinem weiteren Ärzteaustausch die Sommer- somit Urlaubszeit in die Quere, bis schließlich, nach langem Warten, der Rückruf kam. Ich war nach langem Hadern mittlerweile bereit die OP zu machen, selbst wenn dies hieß nie mehr eine natürliche Geburt erleben zu können. Die Empfehlung des Proktologen sei richtig, erklärte meine Ärztin am Telefon, leider würde man hier nicht über die nötige Expertise verfügen um eine derartige OP durchzuführen. Sie würde mir raten mich in der Frauenklinik in Tübingen vorzustellen, da diese die erste Wahl für diese Thematik sei. Ich fiel aus allen Wolken, wieder einmal verzögerte sich alles, wieder einmal war ich auf etwas eingestellt und wieder einmal wurde alles zurück auf Anfang gespult…

Die Frauenklinik Tübingen hatte wirklich einen guten Ruf verriet mir Google und wir entschieden uns die vierstündige Fahrt in Kauf zu nehmen. Krankenkasse übernahm trotz Schreiben des Krankenhauses, dass sie die Überweisung empfehlen, keinerlei Fahrtkosten, geschweige denn Kosten für die Begleitperson, da ich ja noch stillte, was auch in dem Schreiben des Krankenhauses festgehalten war. Furchtbares Gespräch mit der Service Hotline, ich bin mir selten in meinem Leben so mies behandelt vorgekommen, als ob ich versuchen würde die Krankenkasse um mehrere Millionen Euro zu betrügen. Ich werde immer noch wütend wenn ich an dieses Telefonat denke.

Gut, Tübingen, ich hatte großes Glück und jemand hatte kurz zuvor einen Termin abgesagt. Dieser war Anfang Oktober und wir schafften es, mit einigem Hin und Her, alles so zu organisieren, dass auch mein Freund und Fels in der Brandung der Krankengeschichte, mitkommen konnte. Zwei Tage Urlaub, die sehr verplant sind, da er neben dem Beruf noch eine Weiterbildung macht, gingen dafür drauf. Der Krankenkasse natürlich egal… Aber ich will mich ja nicht mehr ärgern.

Die Kleine hatte mittlerweile ihre ersten Zähne, hatte gelernt sich zu drehen, konnte sogar schon krabbeln und wir stellten fest, dass sie bereits jetzt ganz genau wusste was sie will und vor allem was sie nicht will. Unsere Nächte waren immer noch, wie die vergangenen zehn Monate, sehr kurz und sie wachte in guten Nächten zweistündig, in schlechten Nächten halbstündig auf. Ich fragte mich manchmal ob das vielleicht auch mit meiner Situation, der Angespanntheit und Ungewissheit, der Wut, der Traurigkeit und so vielen anderen negativen Gefühlen, die ich manchmal einfach nicht wegschieben konnte zusammen hing, beziehungsweise hängt. Auf der anderen Seite war sie tagsüber ein absolutes Sonnenscheinchen und ich würde bestimmt nicht tauschen wollen.

Ich traute mich kaum mir erneute Hoffnungen auf ein baldiges Ende meiner Situation zu machen und blickte der Fahrt nach Tübingen eher mit einem mulmigen Gefühl entgegen.

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