7. der erste Schritt zur Besserung – Schnipp Schnapp

Es fiel mir ungemein schwer nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Ich rief im Beckenbodenzentrum an, es war nach wie vor Anfang/Mitte Januar und ließ mir den ersten Termin geben den sie hatten. Dieser war Ende Mai. Also gut, waren ja nur noch gute vier Monate…  Ich rief meine Hebamme an und berichtete ihr von den Erlebnissen und Ergebnissen der letzten Tage. Sie bestand darauf, das ich nochmal im Krankenhaus Nummer Zwei, dem Nichtentbindungskrankenhaus, das mich deswegen nicht nehmen wollte, anrief. Ich solle dort sagen, dass ich im Krankenhaus Nummer Eins gewesen sei, die mich aber einfach wieder weitergeschickt hätten, beziehungsweise einen Termin Ende Mai angeboten hatten. Ich solle betonen dass es psychisch für mich nicht tragbar sei so lange zu warten. Gesagt getan, auf die Tränendrüse zu drücken gelang mir ziemlich gut, allerdings nicht weil ich auf einmal eine unglaublich überzeugende Schauspielerin geworden war, sondern weil ich tatsächlich so runter mit den Nerven war, dass ich mich außerstande sah nicht zu weinen. Es war von Erfolg gekrönt. Ich bekam einen Termin nur knappe zwei Wochen später. Und siehe da, zum ersten Mal seit der Geburt nahm man sich Zeit, machte eine ausgiebige Anamnese, die Assistenzärztin holte sofort die Oberärztin hinzu, diese versuchte zu verstehen was mein Problem war, hatte allerdings leichte Schwierigkeiten sich vorzustellen was ich erklärte. Schließlich besah sie sich das Ganze und war verblüfft, dass bisher nichts unternommen worden war. Sie sah die Löcher, meinte jetzt könne sie verstehen was ich zu erklären versucht hatte. Nachdem sie festgestellt hatte, dass man durch die Löcher durchfahren konnte, diese also tatsächlich keinerlei Kontakt zur darunterliegenden Haut hatten, sagte sie, sie wolle jetzt niemandem auf die Füße treten, es sei auch wirklich nicht immer leicht, aber das hätte schon anders versorgt werden können. Sie überlegte und erklärte, dass sie eigentlich unter einer lokalen Betäubung diese Hautstege durchschneiden würde, sie sich aber nicht sicher sei ob ich das, traumatisiert wie ich ja ohnehin schon sei, verkraften würde. Ich wechselte ein paar Blicke mit meinem Freund, dachte daran, dass meine Mutter gerade wieder einmal ein paar Tage zu Besuch war, ich könnte also ruhigen Gewissens ein paar Tage bettlägerig sein und entschied mich dafür, kurzen Prozess zu machen. Alle Beteiligten waren sehr bemüht, vorsichtig und trennten schließlich die Stege durch. Wir vereinbarten, dass ich nach drei Monaten zur Kontrolle kommen sollte. Bis dahin würde sich abgezeichnet haben ob dies bereits gereicht hätte oder eine funktionelle Störung vorliege. Außerdem empfahl sie mir während dieser Zeit Krankengymnastik zu machen, genauer gesagt Beckenbodentraining. Meine Hebamme unterstütze mich zusätzlich mit vielen Ratschlägen, Globuli und Salben. Rundum versorgt, gut betreut, ernst genommen und aufgehoben war ich guter Dinge, dass sich nun alles zum Besseren wenden würde..

Beim Rausgehen fühlte ich mich so beschwingt, so erleichtert. Es tat so gut, dass eine Ärztin mich ernst nahm, etwas getan hatte und zuversichtlich war, dass alles wieder gut werden würde. Ohne das Zureden meiner Hebamme, die ständige Unterstützung meines Freundes und die Zeit die meine Mutter bei uns verbrachte, hätte ich vermutlich nicht die Kraft gehabt es bis hierhin durchzustehen, nun aber war ich voller Energie und Zuversicht. Sämtlichen Frauen in einer ähnlichen Lage, sei es durch Geburt oder irgendeinen anderen Umstand kann ich nur raten: Schämt euch nicht, lasst euch nicht wegschicken, bleibt hartnäckig. Redet mit den Ärzten, Hebammen oder sonstigem Fachpersonal.  Es ist euer gutes Recht ernst genommen zu werden und nicht noch mehr das Gefühl zu bekommen euch und euren Körper verstecken zu müssen! Holt euch auch seelische Unterstützung, sei es im Austausch mit anderen Betroffenen, bei einem Therapeuten oder indem ihr es euch einfach von der Seele schreibt. Eine wunderbare Anleitung, einen Geburtsbericht zu verfassen, findet ihr auf Jana Friedrichs Hebammenblog.

Und keine Sorge meine Geschichte ist noch nicht am Ende angelangt..

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