5. irgendetwas stimmt nicht – die Bestätigung

Langsam geht es ans Eingemachte. Alles bisher war quasi Vorgeplänkel, damit ich mit dem Bloggen, der Aufarbeitung und, im besten Falle, auch der Verarbeitung warm werde. Als ich nach ungefähr vier Wochen immer noch nicht sitzen konnte, ließ ich meine Hebamme die Naht begutachten. Sie wirkte etwas verblüfft und erklärte es sei nur ein sehr kleiner Bereich, dieser sei zwar rot und an einer ungünstigen Stelle, quasi fast direkt im Schritt aber wirklich sehr klein. Sie meinte, dass manchmal Fäden ziepen, reiben oder sonst wie Probleme verursachen könnten. Falls es weiterhin nicht besser werde solle ich zum Frauenarzt gehen damit diese mir die Fäden zieht. Um nicht noch wehleidiger zu wirken als ohnehin, wartete ich tapfer weiter. Wiederum eine Woche und zwei große Fadenstücke später, erklärte ich mich einverstanden, dass mein Freund sich einmal ansehen solle wie es um mich und meine Naht stand. Es fiel mir unglaublich schwer und ich hatte wahnsinnig Angst vor Berührung, Schmerzen oder Ähnlichem. Das Nahttrauma saß wohl doch tiefer als gedacht. Also gut er fragte ob ich bereit sei und ich bejahte, spreizte meine Beine und zog alles ein wenig auseinander, damit der Blick auf die Naht oder Narbe frei war. Es war sehr lange sehr still. Dann meinte er es sei zu wenig Licht er könne es nicht genau erkennen, also sorgten wir für eine ausreichende Beleuchtung und starteten erneut. Wieder eine lange Pause. Dann räusperte er sich und sagte er könne sich nicht vorstellen, dass das so sein soll. Da wäre ein großes Loch oder vielmehr zwei, da wo eigentlich Haut sein sollte. Man könne durchleuchten. Ich verstand nicht was er mir sagte, wollte es vielleicht auch nicht verstehen. Schließlich machte er ein Foto und zeigte es mir. Da war tatsächlich ein Loch, dort wo mein Damm hätte sein sollen klaffte ein Loch in der Haut, es sah schlimm aus. Ich weinte eine Runde und als ich mich ein bisschen beruhigt hatte rief ich bei meiner Frauenärztin an um den Termin für die Abschlussuntersuchung zu machen und gleichzeitig die Löcher begutachten zu lassen. Nach meinem panischen Anruf hatte ich direkt für den nächsten Tag einen Termin bekommen und mein Freund und ich machten erstmal Bestandsaufnahme. Es fällt mir nach wie vor schwer das nun Folgende zu schreiben oder zu erzählen. Was nämlich schon ein wenig sonderbar war, wir bisher aber beide auf die Geburt, die Verletzung, die nicht abgeschlossene Heilung zurückgeführt hatten war die Tatsache, dass wenn ich pupsen musste, und das musste ich öfter als früher, die Luft mit einem unglaublich lauten Knattergeräusch aus meiner Scheide kam. Wir mutmaßten nun also, dass dies, die Löcher, vielleicht die Erklärung dafür war und bis zum Termin hatte ich noch jede Menge Zeit um erstmal ausführlich zu googeln. Ich fand einiges über schlecht verheilte Dammnähte, -risse, -schnitte, Hand in Hand mit diversen unterschiedlichen Beschwerden, wie beispielsweise Inkontinenz. Aber rein gar nichts zu meiner Problematik. Ich googelte nach löchrigen Dammnähten, nach Windabgang durch die Scheide, probierte sämtliche Begrifflichkeiten die mir in den Sinn kamen durch bis ich schließlich auf die rektovaginale Fistel stieß. Ich weinte wieder bitterlich, mein Freund nahm mir den Laptop weg und erteilte mir Googleverbot bis nach den Arzttermin. Am nächsten Tag erklärte ich nun also meiner Frauenärztin unter Tränen die Lage, sie besah sich das Ganze, redete die ganze Zeit über Grübchen und erklärte so sollte es tatsächlich nicht aussehen aber ich solle mir keine Sorgen machen. Sie würde mich jetzt noch einmal ans Krankenhaus überweisen, da sollten die das nochmals genauer besehen, da sie einfach andere Möglichkeiten der Diagnostik hätten. Der Termin war furchtbar, ich saß da, musste heulen wie ein Schlosshund und die superempathische Frau Doktor erzählte aus ihren Kliniktagen damals und wie gut ihr Chef doch gewesen sei und überhaupt wirklich eine spannende Zeit. Gut dann würde sie mich jetzt bitten noch in ihr Büro mit zu kommen. Dort angekommen wollte sie das pro Forma Verhütungsgespräch mit mir führen. Ich traute meinen Ohren nicht. Da hatte die gute Frau mir eben erklärt dass irgendetwas ganz und gar nicht stimme, ich saß da in Tränen aufgelöst und sie fragte knallhart wie wir uns das mit der Verhütung denn jetzt vorstellen. Ich schluchzte dass wir daran jetzt bestimmt erstmal noch eine ganze Weile nicht denken würden. Das wäre aber schon wichtig leierte sie ihren Standardtext runter. Selten in meinem Leben habe ich mich so wenig aufeghoben und verstanden gefühlt. Also gut, heim, Krankenhaus angerufen, es war Anfang oder Mitte Januar, naja gut sie könnten mir im Mai einen Termin anbieten. Geweint, Hebamme angerufen, sie meinte ich solle nochmals anrufen und sagen ich würde das psychisch nicht so lange aushalten, bräuchte einen Notfalltermin, ansonsten im anderen Krankenhaus anrufen und mir dort einen Termin geben lassen. Kein Notfalltermin möglich, geweint, anderes Krankenhaus angerufen, die wollten mich nicht nehmen, da ich nicht bei ihnen entbunden hatte und sowas wird dann wohl nur sehr ungerne gemacht. Wieder geweint, schließlich dazu entschieden im Entbindungskrankenhaus über die Notaufnahme zu gehen. Furchtbar anstrengend! Sogar jetzt im Nachhinein, allein das Schreiben macht mich wieder ganz müde und erschöpft. Ungefähr zu dieser Zeit hat die Kleine das erste Mal gelächelt, das hat Vieles wieder gut gemacht! Fortsetzung folgt…

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